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Solinger Morgenpost  04.09.2002
Mit neun neuen Fünftklässlern in Höhscheid besuchen jetzt 24 behinderte Kinder eine Hauptschule

Wenn Lehrer lieber Freunde sein wollen

(RP). Atemlose Stille herrscht in der Höhscheider Turnhalle, als Robert zu den brennenden Fackeln greift. Tatsächlich: Nach glühender Kohle und scharfen Klingen jongliert der tollkühne Hauptschüler auch mit diesem brenzligen Material. Die Augen weit aufgerissen, mit offenem Mund, kommen auch Franziska und Hendrik aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Die beiden geistig behinderten Kinder gehören zu den neun Fünftklässlern, die gestern in die sonderpädagogischen Fördergruppen der Hauptschule Höhscheid gekommen sind. Für Schulleiter Manfred Sattler war es nach dem gelungenen Auftakt vor zwei Jahren keine Frage, erstmals zwei integrative Klassen anzubieten: "Beim ersten Mal hatten wir noch Angst, ob wir der Aufgabe gewachsen sind. Heute wissen wir, dass es für alle Seiten lohnenswert ist."

Vier geistig und drei lernbehinderte Kinder besuchen inzwischen die siebte Klasse in Höhscheid; in Ohligs, dessen Hauptschule im vergangenen Jahr ins Programm einstieg, sind jetzt acht behinderte Kinder in die sechste Klasse gekommen. In allen integrativen Klassen, die mit 21 Schülern deutlich kleiner sind, steht der soziale Aspekt im Vordergrund. "Die behinderten Kinder erhalten zu 50 Prozent differenzierten Unterricht", schildert Sattler. Welches Abschluss-Zeugnis sie einmal erhalten, ist noch unklar: "Für den Hauptschul-Abschluss muss eine Fremdsprache nachgewiesen werden", erklärt der Schulleiter.

Luisa Senger hat gerade Abitur am Vogelsang gemacht. Zusammen mit dem ein Jahr älteren Simon Stange leistet die 19-Jährige jetzt ein Freiwilliges Soziales Jahr in den Integrationsklassen ab. "Ich möchte beruflich mal etwas mit Kindern machen, vielleicht Sonderpädagogik studieren." Da kam ihr diese Herausforderung gerade recht.

Simon ist bereits ehrenamtlich in der Jugendarbeit des "Dingshauses" aktiv. Der ehemalige Gesamtschüler freut sich darauf, den behinderten "Kindern unter die Arme zu greifen, beim Sport oder Schreiben zu helfen". 270 Euro pro Monat erhalten die beiden - zwei von sechs jungen Leuten, die derzeit in den integrativen Klassen helfen - für ihre Arbeit, bei der sie "mehr Freund als Lehrer sein wollen" (Luisa).

Luisa und Simon werden eng mit Sonderpädagogin Hiltrud Bensberg-Müller zusammenarbeiten, die seit acht Jahren in Höhscheid tätig ist. Sie hofft, "dass sich die behinderten Kinder bei uns genau so wohl fühlen wie an ihren Grundschulen". Für Hendrik, der in die 5 a von Gabriele Racka-Watzlawek kommt, keine Frage: Der ehemalige Klauberg-Schüler ist begeistert von der Begrüßung durch den Zirkus Firlefanz. Die Feuerschlucker haben es dem Elfjährigen besonders angetan.

Wie Hendrik freut sich auch Franziska am meisten auf den Sportunterricht. Die Zehnjährige kommt von der Westersburg und ergreift vertrauensvoll die Hand von Susanne Cortinovis, als die Klassenlehrerin der 5 b ihren Namen aufruft. Gemeinsam mit ihren Mitschülern marschiert Franziska von der Turnhalle zum Schulgebäude an der Zweigstraße, dicht gefolgt von ihrem Vater. Doch die frisch gebackene Hauptschülerin hat nur noch Augen für ihre neue Lehrerin.

Zwischenruf

Von STEFANIE MERGEHENN

 


 © 2017: Michael Kotthaus

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 20.09.2018