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Solinger Morgenpost  07.06.2004
 
Ausgegrenzt und chancenlos?

Der Verein „Gemeinsam leben lernen“ warnt davor, dass durch einen Erlass des Schulministeriums immer weniger auffällige oder behinderte Kinder eine spezielle Förderung erhalten.

Für Jürgen Isermann ist die Alarmstufe in der Schulpolitik erreicht. „Nicht mal ein Drittel aller Kinder, für die eine Aufnahme in den Gemeinsamen Unterricht beantragt wurde, werden ihn auch bekommen“, sagt der Vorsitzende vom Verein „Gemeinsam leben lernen“. Nach einem Erlass des Schulministeriums vom 29.Januar würde die sonderpädagogische Förderung an Regelschulen jetzt gedeckelt. Damit erhielten im kommenden Schuljahr maximal zehn auffällige oder behinderte Kinder einen Platz im Gemeinsamen Unterricht. „Was sich die Ministerin Ute Schäfer da leistet, ist fatal.“

Viele Eltern hätten Angst, ihr Kind auf eine Sonderschule zu geben. „Sie fühlen sich dadurch von der Gesellschaft ausgegrenzt“, erklärt Isermann, der selbst Vater eines Kindes mit Down-Syndrom. Die meisten Eltern wüssten aber noch gar nicht, dass dieses Jahr nur so wenig Kinder die Chance auf den Gemeinsamen Unterricht erhielten. „Dabei ist er so wichtig.“

Das sieht auch Julia Lipschitz so. „Wir haben jahrzehntelang für den Gemeinsamen Unterricht gekämpft“, sagt die Vorsitzende des Behindertenbeirates. Der könne nun nicht einfach zurückgefahren werden. Schließlich werde die Zahl der auffälligen Kinder immer größer. „Es gibt Spätzünder, die brauchen halt etwas länger.“ Durch ein Abschieben an Sonderschulen werde ihnen laut Isermann der Weg verbaut, je wieder eine normale Schule besuchen zu können.

„Jetzt werden wir dafür bestraft, dass wir Kinder aufpäppeln“

Dabei gibt es durchaus Erfolge. „Wir haben Kinder, die bei uns mit einer sonderpädagogischen Förderung in die erste Klasse kommen, und die wir später als Regelkinder ohne zusätzliche Förderung an die weiterführenden Schulen abgeben“, berichtet Inge Werbeck, Rektorin der Grundschule Klauberg. „Aber jetzt werden wir dafür bestraft, dass wir die Kinder aufpäppeln“, ärgert sich die Schulleiterin. Denn künftig werde man nur noch so viele Kinder mit sonderpädagogischer Förderung neu aufnehmen dürfen, wie man auch nach der vierten Klasse abgebe. Insgesamt befänden sich 23 Kinder an der Schule, die jeweils drei Stunden pro Woche gesondert gefördert würden. Die Personalversammlung der Lehrer an den Grund- und Hauptschulen in Solingen hatten bereits das Schulministerium aufgefordert, den Erlass zurückzunehmen.

Dieses dementiert jedoch, dass mit dem Erlass der Gemeinsame Unterricht gedeckelt werde. „Das ist eine Lesart, die von Lehrerverbänden gerne instrumentalisiert wird“, erklärte Pressesprecher Ralph Fleischhauer der Morgenpost. Die Anzahl der Kinder mit sonderpädagogischer Förderung sei in den letzten zwei Jahren ungewöhnlich stark angestiegen. „Nicht jede Veränderung im Erziehungsprozess führt auch zu sonderpädagogischem Förderbedarf.“ Der Erlass beinhalte einen Appell, die Notwendigkeit zu Sonderförderungen genau zu prüfen. „Kinder, die sonderpädagogische Förderung brauchen, bekommen sie auch.“ Ziel sei jedoch, deren Zahlen auf Dauer zu senken.

Der Verein „Gemeinsam leben lernen“ lädt heute um 20 Uhr zu einem Gesprächsabend zu dem Thema ein.
Ort: Gaststätte Al'Bundy, Augustinerstraße 1

Zwischenruf

 

 © 2017: Michael Kotthaus

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 20.09.2018