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Solinger Morgenpost  24.12.2001
Bei den "Jugend Partnerschaften" gehen rund 30 behinderte und nicht behinderte Schüler einmal im Monat zusammen weg

"Manche Leute haben uns schon doof angeguckt"

(RP). "Einen Kakao mit Sahne", gibt Christian seine Bestellung im Cafe auf. Er strahlt in die Runde. Der 17-Jährige leidet am Down-Syndrom. Einmal im Monat trifft er sich in der JuPa-Gruppe mit behinderten und nicht behinderten Jugendlichen zu gemeinsamen Ausflügen. JuPa steht für "Jugend Partnerschaften".

"Die Gruppe ist vor drei Jahren vom Jugendstadtrat ins Leben gerufen worden", erzählt Hannah Klein, Gruppensprecherin und eine der Mitbegründerinnen. "Als Jugendstadtrat wollten wir etwas für alle Jugendliche machen, also auch für behinderte." Die 17-Jährige hatte sich schon vorher um die behinderte Tochter ihrer Patentante gekümmert. "Das sind Erfahrungen, die man sonst im Alltag nicht macht und die für die persönliche Entwicklung gut sind", sagt die Schülerin. Sie sieht sich auch als Vermittlerin zur Öffentlichkeit. "Von unserer Gesellschaft werden Behinderte sonst doch völlig fern gehalten."

Sara nennt als Beispiel die Fahrt zum Kölner Weihnachtsmarkt im letzten Jahr. "Wir sind durch die Fußgängerzone gegangen und waren alle so gut drauf, dass wir angefangen haben zu singen. Da haben uns manche schon doof angeguckt." Aber das sei ihnen egal. "Sollen die Leute doch sehen, dass auch Behinderte Spaß haben können!" Die 18-Jährige möchte später "etwas in der Richtung" beruflich machen.

Tobias zieht es eher zu Technischem hin. "Ich möchte vielleicht mal Auto-Tuner werden, also Autos tiefer legen und so", sagt der 18-Jährige.

Er geht, wie die anderen 13 geistig behinderten Teenager der JuPa-Gruppe, auf die Wilhelm-Hartschen-Schule. Daniel (19) erzählt, dass bei seiner Geburt eine Gehirnhälfte nicht mit Blut versorgt worden sei. "Am liebsten mag ich unser Kegeln und Schwimmen", sagt er. Freizeitaktivitäten, zu denen die Behinderten sonst kaum Gelegenheit haben, wie Hannah weiß. "Sie kommen nur selten raus und treffen kaum Leute in ihrem Alter." Catia (16) bemerkt, dass die Behinderten in der Öffentlichkeit viel lockerer werden. Mit ihrem Bruder Christian war sie schon einmal im Getaway. Ob er auch getanzt hat? "Ja klar", ruft er und deutet eine Hüftbewegung an: "Hip-Hop."

Weil die meisten anderen aber noch keine Tanzerfahrung haben, soll das Januartreffen in einer Tanzschule stattfinden. "Wir wollen da zusammen eine Stunde Gesellschaftstanz lernen", sagt Hannah. Die Unternehmungen - Kinobesuch, Party, Theater oder ähnliches - werden vierteljährlich gemeinsam geplant. Von den 14 nichtbehinderten Mitgliedern der Gruppe sind nur noch zwei aus dem Jugendstadtrat, der Rest ist einfach so dazu gekommen.

"Wir sprechen die Leute teilweise in Schulen oder auf Festen an und fragen sie, ob sie nicht mitmachen wollen", berichtet Sara. Sie ist die Finanzbeauftragte der JuPa, seit sich die Gruppe vor kurzem bei einem EU-Projekt um Fördergelder beworben hat. Und sie suchen noch weitere Jugendliche zum Mitmachen. Kontakt: Hannah Klein, 33 26 77, oder Anja Melcher, 5 78 18.

Von SUSANNE GENATH


 © 2017: Michael Kotthaus

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