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Solinger Morgenpost  27.01.2003
Kilian Balfanz leidet an Muskelschwäche - durch die Hippo-Therapie lernt er auch Körperbeherrschung

Vor lauter Stolz ein kerzengerader Rücken

(RP). Die Luft ist kühl in der Reithalle. Crystall dreht ihre Runden, im Schritttempo. Kilian Balfanz ist auf den braunen Rücken der prächtigen Stute geklettert. Der Sechsjährige steckt eingemummelt in einer roten Daunenjacke, ihm kann die Kühlschranktemperatur gar nichts anhaben. Kilian lächelt, er gräbt seine kleinen Finger in den mächtigen Nacken des Tieres. Sein Rückgrat hat er kerzengerade gestreckt. Ganz automatisch, weil er vor lauter Stolz aufrecht sitzt. Das ist Sinn und Zweck.

Tausendmal toller
Das war am Samstag schließlich kein Schnupperkurs für Reitanfänger - man nennt es Hippo-Therapie. Kilian leidet an Muskelschwäche. "Krankengymnastik auf der Matte macht ihm viel Spaß, keine Frage", verrät sein Vater Christoph. Aber dieselben Übungen auf dem Rücken eines Westernpferdes machen zu dürfen - das ist tausendmal toller. Und effektiver.

Bereits vor zehn Jahren hat sich Hermann Rieke spezialisiert auf die Hippo-Therapie für behinderte Menschen, "Krankengymnastik auf dem Medium-Pferd" im Fachjargon. Diese Form von Heilbehandlung ist vor rund vier Jahren einer der Hauptgründe für den Bau der stattlichen Reithalle in Höhrath an der Stadtgrenze zu Wermelskirchen gewesen. "Zwischen Solingen und uns, also dem Hippo-Therapeuten Karl Fiedler und mir, stand aber irgendwie immer eine hohe Mauer", bedauert Hermann Rieke, "Kontakte hat es nie gegeben." Bis jetzt. Das Eis ist gebrochen.

"Eine sehr gute Sache"
Der Verein "Gemeinsam leben lernen" ist an das Duo herangetreten, "weil wir die Hippo-Therapie für eine sehr gute Sache halten", begründet Vereinsvorsitzender Jürgen Isermann. Am Samstag gab`s in Unterwinkelhausen eine Präsentation dieser seit Jahren anerkannten Alternative zur gewöhnlichen Krankengymnastik, "die von den Kassen aber leider nicht mehr voll unterstützt wird, obwohl 20 Euro für fast eine halbe Stunde doch eigentlich ein Pappenstiel sind", wie Hermann Rieke findet.

"Quarter-Horse", das ist eine extra angezüchtete Pferderasse. Hervorragend geeignet zum Westernreiten - und für die Hippo-Therapie. Diese Pferde sind ruhig und zuverlässig. Das müssen Crystall und ihre fünf Artgenossen auch sein. Kilian sitzt nicht bloß auf dem Pferd und galoppiert im Kreis - in Begleitung von Rieke macht er auch Übungen. Über Kreuz wegstrecken zum Beispiel. Oder völlig freihändig reiten.

Durch die Hippo-Therapie lernen die Kinder in spielerischer Weise wichtige Dinge wie Körperbeherrschung, Gleichgewichtssinn und Selbstvertrauen. Die knapp 30 Minuten vergehen wie im Flug. Kilian wird sich bei der nächsten Krankengymnastik in der Praxis sicher vorstellen, die Matte sei ein Pferd. Ob er dann auch wieder ganz automatisch seine Brust vor lauter Stolz rausstreckt?

Von TONI LIETO

 



 © 2017: Michael Kotthaus

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